Was ein Dritter Ort ist, definieren die Menschen, die ihn nutzen.
In einer Stadt, die zwischen Nachverdichtung, durchkalkulierten Konzepten und verlassenen Baugruben wenig Platz für Nischen zulässt, haben wir mit dem Dritte*Orte Archiv einen Raum für das Dazwischen geschaffen. Es geht um Orte, die wichtig sind für das soziale Gewebe dieser Stadt. Orte, an denen es menschelt. Orte, die das Gefühl von Zugehörigkeit vermitteln. Orte der Zugehörigkeit.
Der aktuelle Stand (März 2026): Im Dritte*Orte Archiv stecken mehr als sieben Jahre Erfahrungen (u.a. aus dem Projekt ZEITKAPSEL) und Recherche. Anfang 2024 begann ich, im Verschwinden begriffene Orte über ihre Dinge, Atmosphären, Geräusche und Praktiken der Aneignung und Fürsorge zu konservieren. Gemeinsam mit den Gestalterinnen Carina und Marisa Müller (Studio MLLR) wurden im letzten Jahr die Bausteine gestaltet. Im Juni 25 entstand gemeinsam mit Moritz Frisch ein kleiner Film. Wir haben Formate entwickelt und erprobt. Ein kleines Kernteam hat die Basis gelegt, damit ganz unterschiedliche Menschen forschen, sammeln und teilen können. Im Frühjahr 2026 werten wir die „Pilotphase" aus und bereiten die nächste Phase vor. Aktuell nehmen wir uns Zeit, die entstandenen Möglichkeiten, Ideen und Ansätze zu sortieren und die gewonnenen Erkenntnisse und Reflexionen einfließen zu lassen. Wir befinden uns in einer Phase der Reflexion und des Sortierens, um die Basis für das weitere Wachstum zu legen. Wir freuen uns auf einen Austausch über die Zukunft: Es gibt viel zu tun!
Dritte Orte sind auf Podien, in Stadtplanung und in politischen Diskursen in aller Munde. Gleichzeitig verschwinden gerade viele informelle Orte unwiederbringlich, weil sie nicht hineinpassen in eine Gegenwart voll von durchgestylten Räumen. Auf institutioneller Ebene wird viel über Dritte Orte gesprochen, aber die Menschen, die diese Orte machen und leben, sind meist nicht Teil des Gesprächs. Das Archiv holt genau diese Perspektiven rein.
Die Methode als offener Rahmen: Das Projekt basiert auf der Annahme, dass Räume nicht neutral sind, sondern durch soziale Beziehungen, Alltagspraktiken und materielle Spuren geformt werden. Die von mir entwickelte Methode der „Kartografie der Dinge" ist ein ästhetisch-ethnografischer Ansatz, der sich an wissenschaftlichen Begriffen orientiert, diese jedoch aneignend umdeutet. Wir sammeln statt offizieller Daten emotionale, soziale und atmosphärische Spuren. Ein Ladenschild, ein Geruch oder ein Geräusch wird zum Träger historischer Erfahrung. Die Erzählung und der Zugang zu den Orten funktioniert über Dinge. Dinge als Speicher von Wissen und Erinnerung. Dinge als Schalter, der Menschen öffnet und Assoziationen weckt.
Es gibt viel zu tun
Das Archiv kann, will und wird nie vollständig sein. Es soll aber wachsen. Mit Dir! In Zukunft soll es über München hinaus weiterwachsen. Die interaktive Karte ist unendlich, unsere Ideen auch. Es können auch kleinere und größere „Satelliten" in Kooperation mit ganz unterschiedlichen Menschen und Institutionen in München, aber auch in Dörfern, Gemeinden und Städten entstehen. Das Konzept ist anschlussfähig für Städte, Gemeinden, Dörfer, Institutionen. Menschen werden neugierig auf ihre Stadt, deren Geschichte und Zukunft sowie die Lebensrealitäten anderer. Das Archiv fungiert als Plattform, die Kollektive, Projekte und Ideen anderer sichtbar macht und wie das Pilotjahr gezeigt hat ist sehr viel möglich – so anschlussfähig und nah an der Lebensrealität.
Einladung zum gemeinsamen Entwickeln: Wir sind offen. Das Archiv bleibt als offene Infrastruktur für alle zugänglich. Es sind Kooperationen mit Forschung, Soziokultur, Stiftungen, Initiativen, Einzelnen denkbar. Das Archiv wird in Zukunft weiterwachsen. Melde Dich/ Melden Sie sich gerne, wenn Sie das Archiv einladen, kooperieren oder Teil des Dritte*Orte Archivs werden wollen.
Nachricht an hello@dritteortearchiv.com
Mehr auf dritteortearchiv.com und unter @dritteortearchiv.
Dritte*Orte Film (Juni 2025, Regie: Moritz Frisch, Miriam Worek)
Digitales Archiv
-
Förderung zur Entwicklung der Bausteine (2025):
Kulturreferat der Landeshauptstadt München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung
-
Unter dem Dach der:
Stiftung Kulturator
-
Gestaltung aller Bausteine:
Carina Müller, (Gestaltung); Marisa Müller, Studio MLLR (Programmierung)
-
Idee & Konzept & Bausteine:
Miriam Worek
-
Mitwirkende:
Benedikt Karl (Texte); Moritz Frisch (Kamera, Fotos, ..); Siyoung Kim (Forscher*innenwesten); Bassant Genedy; Filo Krause / Clara Holzheimer / Jessi Strixner / Ruth Feile (critical friends), Vermittlung mobiles Archiv (soon)
-
Newsletter:
newsletter@dritteortearchiv.com (*Anmeldung über eine kurze Mail)
-
Orte teilen, mehr erfahren::
-
Mit infrastruktureller Unterstützung von;:
Münchner Stadtbibliothek und Medienzentrum München (DANKE!)