Über mich
In meiner Arbeit verbinde ich künstlerische Stadt- und Raumforschung mit Erinnerungs- und Vermittlungsarbeit, neuen Medien und analoger Begegnung. Ich verstehe dabei Kunst als soziale Praxis. Was immer entsteht, ist Nähe. Nähe zwischen Menschen, die sich sonst nicht begegnen würden, zwischen Generationen sowie zwischen Themen und Disziplinen, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören.
Dabei entstehen temporäre, außerinstitutionelle Räume, wachsende (digitale) Archive und ungewöhnliche (Vermittlungs-)formate, immer ortsbezogen und im Kontext von Nachbarschaften. Kreative Rahmen und Werkzeuge wie der Stadtforschungsrucksack ermöglichen unterschiedliche Formen der Teilhabe.
Menschen werden neugierig auf ihre Stadt, deren Geschichte und Zukunft sowie die Lebensrealitäten anderer. Dabei greifen gesellschaftliche Perspektiven und individuelle Fragen ineinander: Wem gehört die Stadt und wer schreibt ihre, damit auch unsere Geschichte? Was bleibt unsichtbar? Wer definiert, was erinnerungswürdig ist? Kann ich hier überhaupt etwas verändern?
Seit 2019 arbeite ich mit der ZEITKAPSEL, die sich kontinuierlich weiterentwickelt: Eine künstlerisch und multimedial aufbereitete Telefonzelle als Medium im öffentlichen Raum - dort, wo Menschen im Vorbeigehen aufmerksam werden. Ausgehend von ihr werden die Geschichten zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Menschen und des Ortes, an dem sie steht, zu einem lebendigen und audiovisuellen Archiv. Urbane Alltagsgeschichten treffen auf künstlerische Visionen, Oral History auf Stadtentwicklung. Ziel ist, es für jede:n zugänglich und erfahrbar zu machen.
Gemeinsam mit Clara Holzheimer entstand 2022 die Idee, mit Expert:innen aus der Praxis einen Reflexionsbaukasten "Einfach Mal" zu entwickeln, den Carina Müller (Studio MLLR) in Spielkarten und ein Plakat übersetzt hat.
Das Dritte*Orte Archiv und die Methode der "Kartografie der Dinge" entstand nach langer Recherche und einer eigenen künstlerisch-forschenden Arbeit. Anfang 2024 begann ich, im Verschwinden begriffene Orte zu konservieren: Soziale Beziehungen, Alltagspraktiken wie Aneignung und Fürsorge, Geräusche und materielle Spuren. Daraus entwickelte sich das Konzept zum Dritte*Orte Archiv und im Jahr 2025 (gemeinsam mit Carina und Marisa Müller, Studio MLLR) die einzelnen Bausteine. Was ein dritter Ort ist definieren hier die Menschen, die ihn nutzen. Menschen kommen über persönliche Erinnerungen, Bezüge und Orte miteinander ins Gespräch. Informelle Orte werden nicht einfach archiviert, sondern als soziale, erinnerbare und bedeutungsvolle Räume neu hervorgebracht. Das Archiv eröffnet auch Zugang zu aktuellen Fragen, möglichen Zukünften und Projekten von Initiativen, Kollektiven, Archiven oder Einzelnen.
Erfahrungen aus meinem Studium der Soziologie, Kunstpädagogik und Kunstgeschichte fließen ebenso in meine Arbeit ein wie Beobachtungen in Mikrokosmen wie Flohmärkten und inhabergeführten Läden, die mich seit meiner Kindheit begleiten. Besonders interessieren mich dort die sozialen Dynamiken und die Frage, wie sich diese fragilen Orte schützen lassen. In Lehraufträgen (LMU, TH Nürnberg) reflektiere und entwickle ich meine Praxis gemeinsam mit Studierenden weiter. Im Jahrgang 2024/2025 nahm ich am interdisziplinären Programms „Kunst als soziale Praxis“ der Hessischen Theaterakademie/Crespo Foundation teil. Als Projektleitung im Kulturzentrum Guardini90 begleite ich mit Barbara Donaubauer Menschen dabei, eigene Ideen zu entwickeln und sich mit ihrem Viertel zu verbinden.
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Aufnahme von Mona Shatry